Ralph Eberhard Brachthäuser: "Sehr geehrter Herr Hitler!" - Als sich "der Führer" 1929 plötzlich für Gladbeck interessierte Vortrag mit Diskussion
Ende der 1920er Jahre stand Gladbeck gleich zweimal sehr unrühmlich im Fokus der überregionalen Aufmerksamkeit: 1928 durch den Mord an dem 19-jährigen Abiturienten Helmut Daube und ein knappes Jahr später durch die Schändung jüdischer Gräber auf dem Hauptfriedhof. Während der Mordfall Daube bis heute nicht aufgeklärt werden konnte, waren die Grabfrevler schon nach wenigen Tagen ermittelt. Es handelte sich um zwei jugendliche Nationalsozialisten. Das teilweise deutschlandweite Medienecho darauf ließ in München die Alarmsirenen erschallen, weswegen sich lokale und regionale NSDAP-Größen umgehend gegenüber der Parteileitung erklären mussten. Teils bislang unbekannte Aktenbestände im Bundesarchiv Berlin und im Landesarchiv NRW belegen, dass der Rechtsextremismus viel früher in Gladbeck angekommen war als bislang angenommen. Der Vortrag bietet mit einer besonderen Perspektive auf die handelnden Personen neue und tiefergehende Einblicke in die Frühphase des Nationalsozialismus in Gladbeck.
Ralph Eberhard Brachthäuser, geb. 1962, katholischer Priester und Kirchenhistoriker, Studium der Philosophie und Theologie mit dem Schwerpunkt Kirchengeschichte an der Ruhr-Universität Bochum und der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Kaplanstätigkeit, Unterricht an einem Gymnasium, letzter Pfarrer von Heilig Kreuz in Gladbeck-Butendorf. Seit rund einem Jahrzehnt vollständig in der (Kirchen-)Geschichtsforschung tätig; Gründer der „Pfarrer Brachthäuser-Stiftung“ und Leiter des „Stiftshaus Gladbeck“; zahlreiche wissenschaftliche Publikationen – insbesondere auch zur Gladbecker Geschichte.
Die VHS führt diese Veranstaltung in Kooperation mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde durch.